Reminiscentie

Umgang mit schwierigen Erinnerungen und Emotionen bei der Reminiszenz

Bei der Reminiszenz geht es oft um schöne Erinnerungen, aber nicht jede Erinnerung ist angenehm. Verlust, Krieg, Krankheit oder eine schwierige Kindheit können in einem Gespräch plötzlich hochkommen, und dann reagiert jemand mit Trauer, Wut oder Unruhe. Das ist kein Zeichen, dass etwas schiefläuft — es gehört dazu. Entscheidend ist, wie Angehörige und Pflegende damit umgehen.

Warum schwierige Erinnerungen auftauchen

Erinnerungen wachzurufen heißt nicht, nur die schönen Momente hervorzuholen. Ein Lied, ein Geruch oder ein altes Foto kann ebenso eine schmerzhafte Zeit berühren. Bei älteren Menschen mit Demenz kommt hinzu, dass Gefühle oft stärker präsent bleiben als Fakten: Jemand erinnert sich vielleicht nicht mehr, was genau geschah, spürt die dazugehörige Emotion aber sehr deutlich. Emotion während der Reminiszenz ist also normal und meist kein Grund aufzuhören.

Was tun, wenn Trauer aufkommt

Der erste Impuls ist oft, abzulenken oder schnell etwas Fröhliches zu sagen. Besser ist es, das Gefühl zunächst anzuerkennen:

  • Bleiben Sie ruhig präsent. Sie müssen die Trauer nicht wegnehmen; gemeinsam dabei zu bleiben genügt.
  • Benennen Sie, was Sie sehen. „Ich sehe, dass Sie das berührt” schafft Raum, während „nicht traurig sein” das Gefühl wegschiebt.
  • Lassen Sie Stille zu. Kurz zu schweigen ist keine Lücke, die Sie füllen müssen — es gibt Zeit zum Fühlen und Weitererzählen.
  • Folgen Sie dem Tempo des anderen. Möchte jemand nicht weiter darüber sprechen, drängen Sie nicht.

Eine Träne bei einer schönen, aber wehmütigen Erinnerung ist übrigens etwas anderes als echtes Leid. Ergriffenheit darf sein und muss nicht „gelöst” werden.

Umgang mit Wut oder Unruhe

Manchmal schlägt eine Erinnerung in Wut oder Gereiztheit um, gerade bei Demenz. Diskutieren Sie dann nicht darüber, was „wirklich” geschah. Erkennen Sie das Gefühl an („das klingt, als hätte Sie das wütend gemacht”), reduzieren Sie die Reize — leiser sprechen, weniger Gegenstände auf einmal — und wechseln Sie bei Bedarf zu einem neutralen, vertrauten Thema. Ziel ist Ruhe, nicht die Erinnerung zu korrigieren.

Schmerzhafte oder traumatische Erinnerungen

Bei schweren Themen — Krieg, Gewalt, der Verlust eines Kindes — ist Vorsicht geboten. Drängen Sie eine solche Erinnerung nicht weg, wühlen Sie sie aber auch nicht aktiv auf. Hören Sie zu, wenn jemand von selbst beginnt, und bleiben Sie bei dem, was die Person mitteilen möchte. Bemerken Sie, dass eine Erinnerung immer wiederkehrt, jemand wirklich darunter leidet oder ängstlich oder niedergeschlagen wird, ziehen Sie eine Fachkraft hinzu: einen Psychologen, Seelsorger oder die behandelnde Ärztin. Reminiszenz ist keine Traumatherapie und muss das auch nicht sein.

Vorab: wie Sie das Risiko einer Entgleisung verringern

Viel Anspannung lässt sich durch gute Vorbereitung vermeiden:

  1. Kennen Sie die Lebensgeschichte. Wenn Sie wissen, welche Themen heikel sind, können Sie ihnen behutsam begegnen, statt versehentlich darauf zu stoßen.
  2. Wählen Sie ein sicheres Thema. Beginnen Sie mit neutralen, breit getragenen Themen wie Schule, Essen oder Urlaub, bevor es persönlicher wird.
  3. Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung. Wenig Ablenkung und genügend Zeit machen es leichter, eine Emotion aufzufangen.
  4. Planen Sie einen sanften Abschluss. Enden Sie mit etwas Angenehmem — einem Lieblingslied, einem schönen Foto — damit das Gespräch nicht mitten in einem unguten Gefühl aufhört.

Kurz zusammengefasst

Schwierige Emotionen gehören zur Reminiszenz und sind kein Grund, sie zu meiden. Erkennen Sie das Gefühl an, bleiben Sie ruhig präsent, erzwingen Sie nichts, und holen Sie Hilfe, wenn das Leid anhält. So bleibt das Wachrufen von Erinnerungen auch in schwierigen Momenten wertvoll. Lesen Sie auch, warum Reminiszenz wichtig ist und über Reminiszenz-Koffer und Erinnerungsboxen.